Sitzung zum Thema Heuferien (1969)

«Für mich, der in St. Gallen aufgewachsen war, ein ganz neues Thema: Heuferien.
Das sollte offensichtlich in der ganzen Gemeinde koordiniert angegangen werden.
Die Mitglieder der Primarschule von Lenggenwil, Zuckenriet, Niederhelfenschwil und
diejenigen des Sekundarschulrates trafen sich mit allen Lehrkräften zu einer
Sitzung in der Krone Lenggenwil. Worauf man sich nach langer Diskussion einigte,
weiss ich nicht mehr. Beim Verlassen des Restaurants aber sagte mir einer der
Primarlehrer: "Egal, was die da beschliessen. Ich mache für meine Klasse Heuferien,
wie es mir passt!"»

von Hubert Kühne, Sekundarlehrer von 1969-1972



Endlich eine Sekundarschule

Die Tatsache, dass unsere Kinder bis in die 60er Jahre für die Sekundarschule
nach Bischofszell, Uzwil oder Wil mussten, bereitete vielen Eltern Sorge. Der
Weg war lang, die Strassen längst nicht so gut ausgebaut wie heute, der
Winterdienst bestand aus dem Pfaden mit den Pferden. «Taxi Mama» war ein
Fremdwort. Die Mädchen und Buben mussten bei Wind und Wetter mit dem Velo
zur Schule fahren. Im Extremfall mussten sie den langen Weg zu Fuss gehen.
Dies war ein Grund, weshalb manchmal Kinder statt in die Sekundarschule in
die Oberschule (heute Realschule) der Dörfer mussten, oder die Familie sich
für das Internat z.B. in Appenzell oder St. Katharinain Wil entschied.

So wuchs der Wunsch nach einer eigenen Sekundarschule. Nach langen und heftigen
Streitereien über den Standort, konnte die Sekundarschule Sproochbrugg gebaut
und im Frühjahr 1969 einge-weiht werden. Für uns Eltern und für die Jugendlichen
war eine grosse Belastung weg.

von Agnes Näf, 92jährig. Früher Wirtin im Kreuz Zuckenriet und Bäckersfrau.



Gemeinsames Planen und Verhandeln führt zur Erweiterung der Sproochbrugg (1992-1996)

Die Oberstufe Sproochbrugg wurde von der Bevölkerung der Gemeinden Niederhelfenschwil
und Zuzwil geschätzt und war bei Schülerinnen und Schülern beliebt. Deshalb wurden
dringend neue Unterrichtsräume benötigt, um der ansteigenden Schülerzahl gerecht zu
werden. Im September 1992 empfahl der damalige Bezirksschulrat (BSR) dem
Erziehungsdepartement (ED), die Sproochbrugg zu erweitern und auf einen OZ-Neubau
in Zuzwil zu verzichten. Das ED lehnte daher gestützt auf den BSR-Bericht einen
OZ-Neubau in Zuzwil ab und hielt gleichzeitig fest, dass mit den Behörden der
Primarschule Zuzwil und der OS-Schulgemeinde Niederhelfenschwil eine vertragliche
Vereinbarung erarbeitet werden sollte. So begann eine intensive Planung für die
Vereinbarung und das Raumprogramm der Sproochbrugg in beiden Gemeinden. Vom ED
wurde das Schulraum-Programm mit der Mehrfachturnhalle genehmigt und so konnte
gemeinsam mit der Lehrerschaft, dem Schulrat und den Schulbürgern der Start für
die Erweiterung der Sproochbrugg erfolgen. Seit 2013 besteht die
„Oberstufenschulgemeinde Sproochbrugg“ mit den beiden Gemeinden Niederhelfenschwil
und Zuzwil – ein nachhaltiges Beispiel für die Zusammenarbeit zweier Gemeinden.

von Peter Senn, Schulratspräsident 1993-1996



Schulzeit: Sommer 2003 bis Sommer 2005

Bestimmt kennen Sie das auch: Gewisse Düfte lösen unweigerlich Erinnerungen aus. Zum
Beispiel an Ferien, an einmalige Erlebnisse oder an ehemalige Wohn- oder Arbeitsorte.
So ergeht es mir jedenfalls, wenn ich an meine Schulzeit an der Sproochbrugg zurückdenke.
Da war einerseits der Geruch (ich will nicht sagen Gestank) nach Schwefel, der einem in die
Nase stieg, wenn man das Klassenzimmer von Beat Nef betrat (und eine andere Klasse zuvor
Chemieunterricht hatte). Dann auch das leicht modrige, aber irgendwie heimelige Aroma der
Bücher in der Schulbibliothek. Oder der feine aber penetrante Duft von Sägemehl und Staub,
der einem durch die Werkstunde mit Markus Lehmann begleitete. Sogar die Turnhalle hatte ihre
eigene Duftnote, die unweigerlich Vorfreude auf Bewegung auslöste. Andere Gerüche förderten
den Appetit: Konnte es etwas Besseres geben als die wohlriechenden frischen Bürli von
Bäckermeister Näf, die einem in die Pause begrüssten? Nicht immer nur angenehmen waren
hingegen die Gerüche, die aus der Schulküche entwichen. Da konnte es schon mal stark
angebrannt riechen. Vielleicht ist es die Einseitigkeit (im Sinne von Theorielastigkeit)
meiner weiteren schulischen Ausbildung, die mich die Sekundarschulzeit als äusserst
duftvielfältig erscheinen lässt. Jedenfalls wird mir dadurch klar: Die breitgefächerte
Ausbildung war eine wichtige und äusserst wertvolle Lebensschule. Im Kochen bin ich zwar
heute noch kein Meister. Aber gibt es ein besseres Indiz für die Langzeitwirkung der in
der Sek erlernten Grundlagen, als dass ich mich heute, 15 Jahre später, mit meinem
Freund Philipp – wir haben uns in der Sproochbrugg kennengelernt und waren in derselben
Hauswirtschaftsgruppe – zum gemeinsamen Kochen treffe?

von David Karrer

Bild von Carl Liner

Haben sie es auch schon bemerkt, als sie via Pausenhalle die Sproochbrugg betraten? Ich
meine das Bild an der rechten Seite im Bau von 1978. Es ist ein echtes Bild von Carl Liner
(1914-1997). Markus Aepli, ehemaliger Lehrer an der Sproochbrugg, weiss dazu folgende Anekdote:
«Kurz vor der Einweihung vom Bau 1978 beobachtete ich, wie der Künstler Liner mit einem
klapprigen, alten Auto die «Jahreszeiten» auf dem Dachträger anlieferte und an der Wand
montierte, die Farbe noch feucht. Aber es wurde pünktlich auf das Fest fertig.»
von Markus Markus Lehmann

Wie die Zeit läuft…

Während den Jahren 2000-2003 besuchte ich als Schülerin die Sproochbrugg. Oft hatten wir
Mädchen es – zum Leidwesen unserer Lehrpersonen – sehr lustig. Wir waren ziemliche
«Gigelitanten». Die damalige und auch aktuelle Hauswirtschaftslehrerin Patricia Juen
erzählt mir noch heute davon… Im Jahr 2002 wurde Frau Juens Bauch immer grösser und
grösser. Sie war schwanger mit ihrem zweiten Kind. Auch kugelrund gab sie uns noch
Hauswirtschaftsunterricht, bis schliesslich ihr Sohn Stephan zur Welt kam. Im Jahr
2014 begann ich selbst an der Sproochbrugg zu arbeiten und zu meiner ersten Sport-
und Matheklasse gehörte auch ein kräftiger, aufgestellter Jugendlicher namens Stephan Juen.
Barbara Scherrer, Schülerin von 2000 – 2003, aktuell Fachlehrerin an der Sproochbrugg